Montag, 3. August 2015

Overload - Balltaille ersetzt Tagesjacke

Schon vor einigen Wochen oder sogar Monaten habe ich die Jacke für meine Overloadnüre in ihre Einzelteile zerlegt.
Ich war einfach mit dem Schnitt nicht so sehr zufrieden, da er an der Brust ja doch immer sehr eng war und irgendwie war der Kragen sehr subotimal, zudem hatte ich bei den Ärmeln Murks gebaut und sie merkwürdig eingesetzt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Balltaille passt viel besser, also her damit.
Bis auf den Stoff und die Haken und Ösen habe ich eigentlich alles wieder verwendet. Applikationen, die große Schleife, kleine Schleifen, sogar das Taillenband ist noch aus der Originaljacke. Es sind ein paar kleine Schleifen dazugekommen, dafür fehlen die Rosen und Perlen am Verschluss. Statt der Haken und Ösen habe ich Knöpfe verwendet, die den Glanz der Satinrüschen noch einmal aufgreift.
Unter der Satinrüsche ist an Ausschnitt und Ärmeln noch der Rest einer meine Lieblingsspitzen. Auf dem Rücken habe ich zwei der Applikationen angenäht, die vorher auf den Armen waren, vorne die großen, die auch vorher die Front zierten. Die restlichen sind wieder in den Schrank gewandert, es war einfach kein Platz mehr.
An der Puppe hängt das Oberteil (stilecht nur mit Katzenhaaren) trotz bester Bemühungen und Stecknadelverwendung leider wie ein nasser Sack, an mir sieht es deutlich besser aus.
Aber so herum muss es ja auch sein. Schlimm, wenn es der Puppe passte, mir dann aber nicht.

Montag, 20. Juli 2015

Das Mülltütenkleid

Oder auch: Ist das Kunst oder kann das weg?

Kurz nach dem WGT fand ich bei einem meiner Stoffhändler: "Glitzer Voile" Obschon man anders vermuten kann, ich habe mir tatsächlich auch nicht nur das Bild angesehen, sondern auch die Beschreibung durchgelesen.
Glitzer Voile - 100 Polyester. Aha..hm..naja, nicht optimal, aber ich schließe Polyester ja nicht kategorisch aus, wenn mir der Stoff gefällt. Kann man mit Leben. Voile...leicht, durchsichtig, weich, fließend...und auch noch glitzernd. Herz, was willst du mehr?
Also hab ich auf glühenden Kohlen gesessen, bis die Tüte mit dem Stoff kam. Aufgerissen, Stoff angefasst...öhm. Tja, weich konnte man also schon mal vergessen, was auch das fließend ein wenig verringerte. Leicht und durchsichtig traf dann zu, hat meine Enttäuschung aber einfach nicht mehr mindern können. Der Stoff fühlt sich an wie Plastik und sieht auch so aus. Ich weiß, es war Plastik angekündigt, aber Plastiktaft sieht auch nicht aus wie eine Einkaufstüte. Dazu kam, dass der "glitzer" einfach nur eingestanzte Löcher sind....in kleinen Bändern, die aussehen wie die Tonbänder von Kasetten. Gnah... 
Aber naja, ich werd den Teufel tun und einen Fehlkauf eingestehen. Und irgendwie glitzert er ja schon ein bisschen.
Also hab ich losgelegt und diesen Soff - damit er auch ja nie meine Haut berührt - mit zwei Lagen Tüll und einer Lage Nessel unterlegt und schon war ein Monstrum von Rock geboren. Der Schnitt ist recht einfach. Ein Teller mit einer Rüsche daran (wofür ich doch noch tatsächlich NOCH EINMAL diesen Stoff nachkaufen musste) Dazu kam ein Bolero für den ich den Schnitt meines Wintermantels abgewandelt habe und die Ärmel eines ganz anderen Schnittes noch drangebastelt habe.
Viel Zier ist nicht mehr am Kleid, lediglich alle Säume sind mit Spitze verziert.
Nicht, dass der Stoff so gar nicht war, was ich erwartet hatte, nein, er war auch noch der sich am auflösenste Stoff aller Zeiten. Ich konnte die Overlocksäume mit der Hand abziehen, kein Stich hielt am Rand, zog Laufmaschen und ließ sich von der Maschine auch noch fressen. Ich hab keine Ahnung, wann ich das letzte Mal an einem Kleid derart vor lauter Frust, Wut und Genervtheit gepfuscht habe. Irgendwann war mir der Saum so egal, mal schauen, ob es auf dem Picknick überhaupt durchhält.
Der Bolero ließ sich besser nähen, weil ich den Futterstoff direkt mitverarbeitet habe, aber für die Volants hatte ich dann keinen Futterstoff mehr übrig. 
Nunja....für Freitag hab ich jetzt was anzuziehen und so leicht bringt mich jetzt nicht einmal mehr Seidenbrokat auf die Palme, fürchte ich.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Möchte-gern-Tribaldance

Dank der Streiksituation bei uns auf der Arbeit liegen hier 4 angefangene Großprojekte, für die ich abends einfach keine Motivation aufbringen kann. Und UFOs frustrieren, wie jeder weiß.
Um wenigstens mal wieder einen kleinen Erfolg zu erleben, habe ich mich am Montag aufgerafft, als meine Perlenborte kam und sie in das dafür vorgesehene Projekt verarbeitet.
Ich würde unglaublich gerne in eine Tribal Gruppe gehen, aber erstens weiß ich nicht einmal, ob es hier überhaupt einen Stamm gibt und zweitens weiß ich umso genauer, dass ich mich nach der Arbeit (wenn ich es denn rechtzeitig schaffen würde) kaum noch aufraffen könnte, mich wirklich noch dazu bringen zu können.
Aber das hält ja nicht von der Mode ab und so entstand am Montag ein Gürtel nach Tribaldancevorbild. Ich habe mich diesmal sehr genau an die Inspirationsvorlage gehalten, weil ich den Kaufgürtel fast perfekt fand (abgesehen von der Größe und dem Material.
Die Basis besteht aus zwei Lagen fester Baumwolle nach eigenem Schnitt noch verstärkt durch falsche Belege mit Schrägband. Darauf habe ich diverse Spitzenapplikationen genäht, die unter zwei Borten fast verschwinden. Die obere Borte habe ich auf dem letzten Stoffmarkt gefunden, aber nur zwei Meter mitgenommen, weil sie einfach zu teuer war. Ist auch gut so, sie kann nämlich nur per Hand angenäht werden....
Die untere Borte ist ein Rest von einem vernichteten Korsett gewesen, die ich auf besagtem Stoffmarkt leider nie wieder gesehen habe. Darunter ist die Perlenborte angebracht und in der Mitte schlussendlich die allseitsbeliebte Perlenapplikation, die wir alle so gerne verwenden. Zum Glück hatte ich noch genau eine übrig.
Geschlossen wird der Gürtel hinten mit einem Band und Ösen.
Bisher passt er ganz gut, aber ich habe den Umfang doch recht großzügig berechnet, abnehmen sollte ich nicht, sonst rutscht er mir noch über das Hinterteil und hält nicht mehr auf der Hüfte.
Ich denke, er wird mich aber aufs Amphi begleiten.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Doing the fascinator

Nach einer (unfreiwillig) mehr als ausgedehnten Motorradtour inklusive leerem Tank *hüstel* dachte ich, ich schreibe endlich einmal das gewünschte Tutorial für meine Fascinator.
Da ich die genähte Basis schon anderweitig vergeben habe, gibt es kein fertiges Bild, aber ich denke, die letzten zwei Schritte brauchen keine großen Bilder.

Zufürderst machen wir uns ein Schnittmuster, das die gewünschte Form und Größe hat. Dabei sind der Fantasie quasi kaum Grenzen gesetzt, je nachdem, wie kompliziert man es haben möchte. Dieses Schnittmuster wird dann 4 Mal ausgeschnitten. Einmal der Oberstoff, einmal der Zwischenstoff (hierbei kann man von Steifleinen über Moosgummi bis hin zu dickem Filz und Polsterstoff alles verwenden) und einmal Futter. Und einmal aus dünnerem Filz etwas kleiner als die anderen Drei.
Hat man die vier Teile beisammen, nimmt man Oberstoff, Zwischenstoff und Futter und legt es in der Richtigen Reihenfolge zusammen. Ich verwende hier immer Sprühkleber, damit mir nichts verrutscht. Diese 3 Lagen fasse ich dann mit Schrägband zusammen. Wer den Fascinator etwas plastischer haben möchte, kann auch hinten eine kleine Falte hineinnähen. Damit bekommt das Hütchen eine eher "bucklige" Form. Normalerweise mache ich das vor dem Schrägband annähen, hier hatte ich das nicht vor und hab es lediglich für das Tutorial noch einmal zum Anschauen gemacht.
Damit hat man nun zwei Teile, einmal das Hütchen und einmal noch einen Lappen aus Filz. Jetzt kann man das Hütchen mit allem Verzieren, was das Herz begehrt. Von Federn über Perlen und Blumen bis hin zu Schokolade und Waffeleisen, wenn es denn sein muss.
Ich selbst verwende immer eine Mischung aus nähen und Kleben. Meist mache ich eine kleine Basis aus Dekoblume und Marabufedern oder ähnlichem, die ich annähe. Danach kann ich mit Heißkleber nach Herzenlust federn unter Blumen und Deko verstecken. Perlenbänder und ähnliche nähe ich allerdings grundsätzlich an. Man weiß nie, wie gut sich Perlen und Klebstoff vertragen.
Ist man fertig und zufrieden, klebt man den Filzlappen einfach unter das Hütchen, so dass alle eventuellen Befestigungsnähte verschwinden. 
Als letztes kann man nun noch die Befestigung nach Wahl annähen. Einen Kamm oder eine Haarklammer. Man kann sicher auch erst die Klammer am Filz befestigen und ihn dann an den Fascinator kleben. Allerdings habe ich das noch nicht so herum versucht. Fertig ist der neue Kopfschmuck.
Es ist nicht viel Zauber dabei, finde ich und sollte auch ungeübten Fingern leicht fallen.
Wenn noch Fragen sind, stehe ich selbstredend zur Verfügung :)


Sonntag, 31. Mai 2015

Schneegestöber zum Geburtstag

Die liebe sorrowsplea hatte im Mai Geburtstag und ich habe es mir nicht nehmen lassen, ihr wenigstens eine Kleinigkeit zu machen.
Durch eine fb-Gruppe stolperte ich zufällig über diese Seite im Netz und ich wusste, genau das sollte es werden.
Verwendet habe ich Seidentaft und relativ starkes Vlies. Ursprünglich wollte ich einen weißen Metallicfaden verwenden, so dass es noch mehr gefunkelt hätte und etwas mehr nach Schnee ausgesehen hätte. Leider riss der Faden durchgehend und so habe ich  mich dann doch für Silber entschieden.
Zum Zusammennähen der einzelnen Komponenten habe ich dann transparentes Garn benutzt und war glücklich, als ich alles zusammen hatte. Allerdings sah das Ganze wenig nach Können und eher nach viel Liebe aus. Es stellte sich nicht so schön gleichmäßig, wie ich es gern gehabt hätte und beulte schräg nach allen Seiten. Schief aber lieb...oder so.
Ein Futter aus Seidentaft und ein kleines Kissen schafften dann Abhilfe und machten das Innenleben auch noch schöner. Ich hoffe, der lieben sorrowsplea gefällt es genauso wie mir. Von ihr ist auch das Foto, ich selbst habe keines Gemacht, weil ich nicht der Versuchung erliegen wollte, zu früh zu posten.

Montag, 20. April 2015

Mal wieder ganz klassisch

Es ist soweit. Nach einer Menge Zweifeln, Fluchen, meditativen Zigarettenpausen, Fortschmeißen und Wiederholen ist der letzte Stich am Kleid fertig.

Seit fest steht, dass Bienchen mit nach Leipzig kommt, hatte er den Wunsch einen Tag im Partnerlook zu gehen. Er "hätte da diesen wundervollen Stoff und schon eine Idee" Warum auch nicht. Also hat er entworfen und ich durfte umsetzen. Seinen Part nähen wir zusammen, aber da fehlen noch Hose und Weste. 
Als ich den Entwurf gesehen habe, musste ich erst einmal schlucken. Auf dem Bild war einer meiner Erzfeinde zu sehen. Ein hoher Stehkragen. Seit Jahren habe ich immer wieder einen versucht und bin immer wieder gescheitert. Aber wenn der Designer malt, dann muss man ja auch umsetzen. Und schließlich ist der Kragen ein elementares Stück am Kleid.
Der Grundstoff ist auf seinen Wunsch hin Taft, der Farbtupfer eine uralte ehemals mintgrüne Brokatgardine. Nach dem Schwarzfärben wurde aus dem Grün eine bordeauxstichige Pflaume. Leider habe ich den Ton absolut nicht einfangen können.
Der Rock war schnell aus einem 5 Meter langen Streifen zusammengenäht. Das Oberteil ist ein ziemlich umgewandelter Truly Victorian Schnitt ( TV405 - 1872 Vest Basque ). Der Faltenwurf liegt auch diesmal an der Puppe. An mir sitzt es deutlich besser.
Der Kragen besteht aus zwei Lagen Brokat, Hutdraht und einer Lage Steifleinen. Stehen wollte er trotzdem nicht. Egal, was wir versucht haben, meine Kleider scheinen den Gesetzen der Physik einfach nicht Folge leisten zu wollen. 

Also habe ich noch einen Flachstahlstab zwischen die Lagen gezwängt, der so lang ist, dass er den Kragen vom Rücken her stützt. Den Tunnel, in dem der Stab sitzt, habe ich an der Nahtzugabe der Rückennaht noch befestigt, damit er beim Anziehen nicht stört.
Die Schleppe ist mit Druckknöpfen am Ausschnitt befestigt, so dass sie auch abgenommen werden kann. Denn bei schlechtem Wetter oder großen Menschenmengen sind Schleppen erfahrungsgemäß keine gute Idee. 
Ich muss auch sagen, dass mir das Kleid ohne Schleppe besser gefällt, aber der Designer ist hier Meister. So ist sie zumindest vorhanden, ob sie getragen wird, wird sich dann noch herausstellen.
Das Oberteil wird mit einem verdeckten Haken-und Ösenverschluss geschlossen. (ein großer Dank geht hier an Russandol aus dem NuS-Forum, die die Verarbeitung so wundervoll detailliert dort gezeigt hat)
Ich bin froh, dass das Kleid tatsächlich aussieht wie der Entwurf.
Allerdings war es so umfangreich, dass ich das Kleid auf dem Hof fotografieren musste, weil es unmöglich in die Küche vor die Bettlaken gepasst hätte.

Mittwoch, 1. April 2015

Von Meerjungfrauen und Schmetterlingen


Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, hat sicher schon gemerkt, dass etwas fehlte. Ich habe zwar das Tutorial zum Mühlsteinkragen eingestellt, aber fertige Werke gab es bisher keine.
Das hole ich heute nach. 
Für die schönen Fotos bedanke ich mich ganz herzlich bei Elisabeth Hackmann (wer sie besuchen möchte, schaue hier:www.elfenstaub-gallery.de ) und bei der Auftraggeberin und Model viola odorata (auch hier gibt es eine wundervolle Seite zum Stöbern:www.marion-adam.magix.net )
Das Set besteht aus dem Mühlsteinkragen, Fascinator, Rock, Unterrock und Gebamsel für eben jenen Rock.
Der grüne Stoff ist wundervolle Seide, der schwarze, wenn ich mich recht erinnere Stretch-Popeline. Der Unterrock ist aus Jersey und sage und schreibe 6 Metern Tüll. Es muss ja schließlich ein bisschen fluffen :)
Der Schnitt des Rockes ist selbst (am Modell) erstellt, der untere Teil ist ein Teller. Ursprünglich wollte ich eine Kellerfaltenrüsche anbringen, aber die Seide hat sich als derart fransig entpuppt, dass ich mich doch für einen Beleg entschied. Also wurde "Schrägband" aus Seide geschnitten und unter lautem Fluchen an den Saum getackert. Das mir als Rollsaumfetischist.
Die Schmetterlinge an "Gebamsel" und Fascinator sind nach Origamianleitungen gefaltet und machen sich soweit recht gut, wie ich finde.
Das Tutorial für diese Art Fascinator folgt auf Wunsch bald. (eigentlich wär es schon fertig, wenn ich mich mal für eine fertige Deko entscheiden könnte :-D )